Nachrufe Pfarrer Hubert Kimmig
Nachruf von Dr. Renate Schöttler
(Manuskript von dem gebärdeten Nachruf von Dr. Renate Schöttler)
Liebe Familie, liebe Gehörlose, liebe Mitchristen!
Ich bin froh, dass ich jetzt für die Gehörlosen sprechen darf als Selbstbetroffene.
Herzlichen Dank an Arnd Kimmig, viel organisiert und mit 2 Pfarrern gesprochen: Alle haben gesagt: Ja, es ist gut, wenn ich in Gebärdensprache spreche. Herzlichen Dank!
Viele gehörlose Personen sind da, das zeigt, Pfarrer Kimmig war für uns Gehörlose wichtig.
Warum??
1. Er konnte die Gebärdensprache prima. Das war der Zugang zu den Menschen, Die Gehörlosen spürten: Er spricht unsere Sprache! Er ist wie einer von uns!
2. Pfarrer Kimmig war überall dabei: nach jedem Gottesdienst beim Kaffee, er hat Familien durch das Leben begleitet mit Hochzeiten, Taufen, Kommunion, Firmung und Beerdigungen. Er war Pfr. für alle Gehörlosen! Er hat das Leben und den Glauben mit uns geteilt.
3. Ich vergesse nie ein Bild von Pfarrer Kimmig im Gottesdienst, wo er Gehörlose mit einer Sonnenblume verglichen hat. Sie halten zusammen wie die Kerne in der Mitte! Ein schönes Bild!
4. Schön, die Bildungswochenenden, Reisen und Wanderfreizeiten, die er immer wieder früher jedes Jahr für die Gehörlosen angeboten hat. Nicht nur für Freiburg, auch für die Nachbardiözese! Viele schöne Erinnerungen sind da! Ein Reiseführer war dabei, Pfarrer Kimmig hat in unserer Sprache gedolmetscht, hat die Welt für uns erschlossen, weiter gemacht.
5. Wenn ich heute alte Gehörlose besuche, dement, aber Erinnerungen im Kopf an Freizeiten sind da. Wir schauen alte Fotos, sind froh. Erinnerungen bleiben fest im Kopf! Das ist schön!
6. Pfarrer Kimmig liebte die Natur, besonders die Berge = Natur für ihn: Gottes Geschenk für uns! Früher selbst Bergsteigen, z.B. in der Schweiz das Matterhorn bestiegen!! Später mit Gehörlosen kleinere Berge im Schwarzwald beim Wandern mit Gott.
7. Für mich persönlich war Pfarrer Kimmig Vorbild für meinen Weg in der Kirche: ich kenne ihn ca. 30 Jahre. Damals haben wir gesprochen über meine Ausbildung, mein Medizinstudium! Sofort hat er die Ohren gespitzt: Eine gehörlose Frau schafft das?! Damals ich Erziehungsurlaub. Pfarrer Kimmig hat probiert mich zu motivieren für Ausbildung und Mitarbeit in Kirche. Es hat geklappt. Heute bin ich selbst Gehörlosen-Seelsorgerin.
8. Ein weiterer besonderer Mensch in seinem Leben: seine frühere Haushälterin, Gisela Naßmacher, hat ihn immer unterstützt bei seinen Gehörlosen-Gottesdiensten, ist mit ihm überall rumgefahren und war eine wichtige Gesprächspartnerin. Sie ist früh gestorben. Er schrieb mir: Kurz vor ihrem Tod nahm sie sein Gesicht in seine Hände und er sagte: Das tut mir gut!
9. Er war ein Pfarrer zum Anfassen!
10. Auch für die Blinden hat er gearbeitet und Besinnungswochenenden gemacht zusammen mit Gerlinde.
11. Und ganz wichtig: Die Taubblindenseelsorge! Er hat die Taubblinden gesucht, langsam gefunden, dann Freizeiten 1 mal im Jahr in Landschlacht/ Schweiz organisiert. Jeder Taubblinde hatte 1 Begleitung, meist Gehörlose!
12. Ich möchte schließen mit einem Bild aus einem Taubblinden-Gottesdienst, dass ich nie vergessen werde: nach der Kommunion standen die Taubblinden im Kreis, ganz eng. Sie legten die Arme um die Schultern, sie schlossen die Augen, und wiegten langsam hin und her wie die Ähren im Wind. Jeder gab dem anderen Halt. Man fühlte sich gestützt/getragen und geborgen.
13. Ein wunderschöner Moment!
14. Wir alle danken Pfarrer Kimmig für die schöne Zeit. Er möge jetzt bei Gott sein, von dem er immer sagte: Er ist da, für mich!
15. Hände wedeln.
Nachruf von Diakon Dr. Andreas Mähler
Nachruf für Monsignore Hubert Kimmig - von Diakon Dr. Andreas Mähler
Hubert Kimmig ist am 13. März 1936 in Lautenbach im Renchtal geboren. Nach dem Abitur in Offenburg studierte er Theologie in Freiburg und Luzern. Nach seiner Weihe zum Priester am 3. Juni 1962 in Freiburg war er Kaplan in Lobbach, Mannheim Philippsburg und Elzach.
Wie kam Pfr. Kimmig in die Gehörlosen- und Blindenseelsorge?
Am Ende seiner Kaplanszeit (Ende der 1960-er Jahre) wurde Hubert Kimmig vom Personalreferenten der Erzdiözese Freiburg für knapp zwei Jahre zum Studium der Sonderpädagogik nach Heidelberg gesendet.
Am Institut für Hör- und Sprachgeschädigtenpädagogik der Pädagogischen Hochschule lernte er die Gebärdensprache kennen. Er konnte sich gut auf die seelsorgliche Arbeit mit behinderten Menschen vorbereiten.
Am 1. April 1971 wurde er zum „Diözesanseelsorger für die Gehörlosen und Blinden“ sowie zum „Leiter des Sekretariats Freiburg i. Br., Holzmarkt 12“ ernannt (vgl. Amtsblatt Erzdiözese Freiburg 1971, S. 39, Nr. 59). Bereits ab 1. Jan. 1971 gehörte das „Referat Blinden- und Gehörlosenseelsorge und Sozialdienst“ nicht mehr zum Caritasverband für die Erzdiözese Freiburg e.V.
Es war nun im Erzbischöflichen Seelsorgeamt – Außenstelle Holzmarkt angesiedelt.
Hubert Kimmig war der erste (und vermutlich auch letzte) hauptamtliche Priester in diesem pastoralen Feld.
Pfr. Kimmig arbeitete mit Schwester Juliane Ritter und Schwester Christiane aus dem Liobakloster in Freiburg-Günterstal zusammen. Vor und nach dem zweiten Weltkrieg hatten sie die Gehörlosen- und Blindenpastoral aufgebaut.
Bis 1970 wurden sie nebenamtlich vom Kamillianerpater Dr. Robert Svoboda (Deutschen Caritasverband Freiburg) bzw. von Pfr. Friedrich Anton Morgenthaler (Achern) unterstützt. Pfr. Kimmig hat als Diözesangehörlosen- und blindenseeslorger seine Lebensberufung gefunden. In dieser Aufgabe wirkte er über 35 Jahre.
Im Jahr 2006 ging er mit 70 Jahren in den Ruhestand. Die Aufgabe übergab er an seinen Nachfolger Diakon Bernhard Stoffel-Braun.
Am Institut für Hör- und Sprachgeschädigtenpädagogik der Pädagogischen Hochschule lernte er die Gebärdensprache kennen. Er konnte sich gut auf die seelsorgliche Arbeit mit behinderten Menschen vorbereiten.
Am 1. April 1971 wurde er zum „Diözesanseelsorger für die Gehörlosen und Blinden“ sowie zum „Leiter des Sekretariats Freiburg i. Br., Holzmarkt 12“ ernannt (vgl. Amtsblatt Erzdiözese Freiburg 1971, S. 39, Nr. 59). Bereits ab 1. Jan. 1971 gehörte das „Referat Blinden- und Gehörlosenseelsorge und Sozialdienst“ nicht mehr zum Caritasverband für die Erzdiözese Freiburg e.V.
Es war nun im Erzbischöflichen Seelsorgeamt – Außenstelle Holzmarkt angesiedelt.
Hubert Kimmig war der erste (und vermutlich auch letzte) hauptamtliche Priester in diesem pastoralen Feld.
Pfr. Kimmig arbeitete mit Schwester Juliane Ritter und Schwester Christiane aus dem Liobakloster in Freiburg-Günterstal zusammen. Vor und nach dem zweiten Weltkrieg hatten sie die Gehörlosen- und Blindenpastoral aufgebaut.
Bis 1970 wurden sie nebenamtlich vom Kamillianerpater Dr. Robert Svoboda (Deutschen Caritasverband Freiburg) bzw. von Pfr. Friedrich Anton Morgenthaler (Achern) unterstützt. Pfr. Kimmig hat als Diözesangehörlosen- und blindenseeslorger seine Lebensberufung gefunden. In dieser Aufgabe wirkte er über 35 Jahre.
Im Jahr 2006 ging er mit 70 Jahren in den Ruhestand. Die Aufgabe übergab er an seinen Nachfolger Diakon Bernhard Stoffel-Braun.
Was sind die besonderen Verdienste von Hubert in dieser Zeit?
Pfr. Kimmig hat in dieser Zeit sehr viel Gutes für gehörlose und blinde Menschen getan. Er hat sich auch kirchenpolitisch engagiert. Hier einige Beispiele:
1972 – Gottesdienstmodell einer Bußandacht für gehörlose Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Entwickelt mit Kolleginnen und Kollegen im Rahmen einer religionspädagogischen Fortbildung im schweizerischen Landschlacht. Das Modell wurde später von der bundesdeutschen Zentralstelle der Kath. Seelsorge für Sinnesgeschädigte herausgegeben.
1973 - Hochgebet für Gehörlose, Liturgisches Institut/Deutsche Bischofkonferenz (DBK) für den gesamten deutschsprachigen Raum.
1974 - Gründung des Katholischen Blinden- und Sehbehindertenwerkes (KBSW) in Baden-Württemberg. So gab es Zuschüsse für die vielen diözesanen Blindenfreizeiten und Ostertage mit erblindeten Menschen im Internationalen Blindenzentrum in Landschlacht.
Der Holzmarkt war ein echtes Begegnungszentrum von gehörlosen und blinden Menschen. Hier gab es sogar gemeinsame Faschingsveranstaltung. Nach dem Abzug der Franzosen aus Freiburg wurde das Haus der Hörgeschädigten in Freiburg-Vauban gegründet. Pfr. Kimmig war kurz zuvor mit seinem Referat in das neue Hauptgebäude des Seelsorgeamts in die Okenstraße umgezogen. Im Jahr 2001 wurde das Referat der neu gegründeten Abteilung Erwachsenenpastoral zugeordnet.
Unvergessen sind die ZDF-Fernsehgottesdienste in Gebärdensprache mit Pfr. Kimmig, die z.B. aus der Günterstäler Pfarrkirche live übertragen wurden.
Ebenso die Gründung der Taubblindenseelsorge, die durch ihn erfolgte. Er spürte, dass Menschen mit hochgradigen Hörsehbehinderungen in besonderer Weise auf seelsorglichen Beistand angewiesen sind.
Mit den vielen Gehörlosengemeinschaften in der Diözese suchte Pfr. Kimmig nach Patronaten. So wurde die verbandliche Arbeit spirituell inspiriert. In der Ortenau entstand die Gehörlosengemeinde Franz von Sales mit regelmäßigen Gottesdiensten im Offenburger Marienhaus. In Freiburg die Gehörlosengemeinde Edith Stein mit Gottesdiensten im Herz-Jesu-Kloster bzw. Seelsorgeamt.
Am 1. August 2025 ist Pfarrer Kimmig in Offenburg verstorben.
Vergelt’s Gott, Pfarrer Kimmig für alles Wirken, für alle guten Werke!
Ein gehörloses Kind antwortete auf die Frage, wie es sich den Himmel vorstellt so: Dort muss niemand sprechen lernen, weil ja alle gebärden können. Nun kann Pfr. Kimmig, dort, wo er jetzt ist – so wie das Kind es sich erhoffte – für alle Zeiten auch in Gebärdensprache kommunizieren.
