Ruth Kaspar hat sich diese Frage schlussendlich selbst beantwortet. Sie initiierte aus ihrem Bedürfnis heraus das inklusive Gottesdienstformat "alle(s) inklusiv" – das Erste im Raum Pforzheim. Im gemeinsamen Gespräch schaut sie auf die Anfänge zurück und erzählt, wie es weitergeht.
Catharina Müller (Bildungsrefentin im Referat Inklusion – Generationen): „Frau Kaspar, wie kann ich mir die Situation vorstellen? Sie hatten die Idee, einen inklusiven Gottesdienst zu veranstalten und dann?“
Ruth Kaspar: „Begonnen hat es so: Der Pfarrer unserer Gemeinde hat mich angesprochen, ob ich zu einem inklusiven Austausch nach Karlsruhe fahren wolle. Er wusste, dass Inklusion für mich ein wichtiges Thema ist. In Karlsruhe habe ich dann eine Gruppe von Menschen mit und ohne Behinderung kennengelernt und von ihnen mehr über deren inklusives Gottesdienstformat erfahren. Zuhause bin ich mit dem Wunsch nach einem solchen Format hier bei uns auf die Hauptamtlichen im weiteren Umfeld zugegangen. Sie waren offen und von Beginn an war klar, dass wir dieses ökumenisch veranstalten wollen. Aber dann kam erst mal die Coronapandemie und unsere Planungen kamen zum Stillstand.“
Catharina Müller: „Wie ging es weiter?“
Ruth Kaspar: „Gegen Ende der Coronazeit im Jahr 2023 haben wir unseren ersten inklusiven Gottesdienst in Pforzheim gefeiert, draußen bei strahlendem Frühlingswetter. Dieses Jahr im April fand das Format bereits zum siebten Mal statt. Wir feiern inzwischen regelmäßig zwei Mal im Jahr, abwechselnd in unterschiedlichen Kirchenräumen (in Trägerschaft der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Gemeinden Pforzheim). Jeder Kirchenraum hat so seine Vor- und Nachteile was die Barrierefreiheit betrifft. Es gibt an jedem der Orte Musik von der Band von Golive und nach dem Gottesdienst ein gemütliches Zusammenkommen mit Essen. Beides ist für unsere Besucher*innen sehr wichtig.“
Catharina Müller: „Da gibt es einiges vorzubereiten, um diese Gottesdienste möglich zu machen oder?“
Ruth Kaspar: „Ja, dazu hat sich im Laufe der Zeit ein vielseitiges großes Team mit unterschiedlichen beruflichen Hintergründen (Lehrer*innen, Theologen*innen, Religionspädagogen*innen, Musiker*innen, Betroffene) haupt- und ehrenamtlich zusammengefunden. Das sind vor allem Menschen, die über ihr Umfeld einen Bezug zu Inklusion haben. Ihnen ist es ein Anliegen, dass Kirche inklusiver und barrierefreier wird. Manche von ihnen planen den Gottesdienst, andere wirken an der Feier selbst mit und wieder andere bereiten im Hintergrund das Essen vor. Als nächsten Schritt wollen wir auch im Vorbereitungsteam inklusiv werden. Wir haben bereits Menschen mit Behinderung dafür angesprochen. Das ist für uns eine logische Entwicklung, denn in den Gottesdiensten selbst wirken Menschen mit Behinderung bereits mit.“
Catharina Müller: „Mit Blick auf die Zukunft: Wie geht es weiter?“
Ruth Kaspar: „Ich wünsche mir, dass unsere inklusives Gottesdienstformat weiterhin Anklang findet und möglichst immer mehr Menschen kommen (können). Gerade in Wohneinrichtungen für Menschen mit Behinderung ist das Personal begrenzt und die Begleitung zu Aktivitäten außerhalb schwierig. Unser nächster Gottesdienst findet am 22.10.2026 am Buckenberg in Pforzheim statt.“
